Sonderpreisträger

ICONIC AWARDS 2019: Innovative Architecture

Architects' Client of the Year – Stadt Freiburg im Breisgau

Neues Rathaus in Freiburg von ingenhoven architects, Foto: Yohan Zerdoun

Die Stadt Freiburg darf sich zu Recht als eine der Geburtsstätten der Umweltschutzbewegung nennen. Bereits 1986 beschloss der Gemeinderat ein zukunftsorientiertes Energieversorgungskonzept, basierend auf den drei Säulen Energieeinsparung, Energieeffizienz und Erneuerbare Energien. Seitdem haben über die Jahrzehnte hinweg zahlreiche Maßnahmen dafür gesorgt, dass die CO2-Emissionen bis heute deutlich gesenkt werden konnten. Bis 2030 will man die klimaschädlichen Emissionen um mindestens 50 % senken, bis 2050 will die Stadt sogar komplett klimaneutral sein. So ambitioniert die Ziele klingen, so realistisch scheinen sie, wenn man sich anschaut, mit welchem Engagement und welcher Konsequenz man dies erreichen will. Zahlreiche Projekte und die Vielfalt an Aktivitäten und Initiativen, die zur Umsetzung der Freiburger Nachhaltigkeitsziele beitragen, beeindrucken und zeigen die umfassende Verpflichtung der Stadt als »Green City«. Vor allem hat man hier verstanden, dass Umweltpolitik, Solartechnik und Konzepte von Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu Triebfedern der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung geworden sind. Dass auch die Bürger und Bürgerinnen hinter dem Prozess stehen, ist ein Zeichen, dass die Politik über viele Jahre hinweg vieles richtig gemacht hat.

Innenraum des neuen Rathauses, Foto: Yohan Zerdoun

Jurybegründung

Seit Jahrzehnten verfolgt die Stadt Freiburg konsequent den Wandel zur Green City. Dass dies auch die Stadtentwicklung betrifft, erklärt sich von selbst. So entstanden mit dem Quartier Vauban und Rieselfeld zwei völlig neue Stadtteile mit nachhaltigem Wohnraum für insgesamt fast 15.000 Menschen, wobei alle Häuser in Niedrigenergiebauweise gebaut wurden. Ein weiteres Beispiel für das nachhaltige Engagement der Stadt ist das Ende 2017 fertiggestellte Rathaus, das erste weltweit öffentliche »net surplus energy« Gebäude. Dabei wird über regenerative Quellen mehr Energie gewonnen als für Heizen, Kühlen, Lüften und Beleuchten benötigt wird. Und das Leistungszentrum Nachhaltigkeit Freiburg, das es seit 2015 gibt, forscht und entwickelt gemeinsam mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg sowie fünf Fraunhofer Instituten in Freiburg an nachhaltigen Technologien und Lösungen. Die genannten Beispiele sind nur drei von vielen. Dennoch ist es sicher noch ein weiter Weg, um das große Ziel – Klimaneutral bis 2050 – zu erreichen. Aber wenn es einer Stadt gelingt, dann Freiburg.

Architects of the Year – David Chipperfield Architects

Hoxton Press (Colville Towers), Foto: Simon Menges

Der Brite David Chipperfield studierte Architektur an der Londoner Kingston University sowie an der sich ebenfalls in London befindenden Architectural Association, wo er sein Studium 1977 abschloss. Bevor er 1985 in London sein eigenes Architekturbüro gründete, arbeitete er bei den Stararchitekten Richard Rogers und Norman Foster. David Chipperfield Architects betreibt heute weitere Büros in Berlin, Mailand und Shanghai und plant und realisiert weltweit verschiedenste Bauprojekte.

Von Anfang an überzeugte Chipperfield mit einer klaren, minimalistischen Formensprache sowie einem souveränen Umgang mit Licht, Raum und Material – ein eigener, unverwechselbarer Stil, den der Architekt im Laufe der Jahre kontinuierlich weiterentwickelt hat und der sich am ehesten als Neuinterpretation der klassischen Moderne mit Elementen zeitgenössischer japanischer Architektur beschreiben lässt. Viele seiner ikonischen Projekte haben für Aufsehen gesorgt, wie z.B. das River & Rowling Museum in Henley-on-Thames in England, das Literaturmuseum der Moderne in Marbach und das Ninetree Village in Hangzhou, China.

Im Laufe seiner Karriere wurde David Chipperfield mit zahlreichen internationalen Auszeichnungen und Ehrenmitgliedschaften geehrt, darunter erhielt er die RIBA Royal Gold Medal for Architecture, das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland und den Mies van der Rohe-Preis. 2012 war Chipperfield Kurator der 13. International Architecture Exhibition der Biennale in Venedig. 2010 wurde er von der Queen in den Adelsstand erhoben.

SSENSE Montréal store concept, Foto: Simon Menges

Jurybegründung

Sir David Chipperfield gehört fraglos zu den herausragendsten und einflussreichsten Architekten unserer Zeit. Seit vielen Jahren überzeugt der Architekt mit einer ikonischen architektonischen Qualität, die seine rund um den Globus verteilten Projekte immer wieder aufs Neue aus der Masse herausstechen lässt. Allein mit vier seiner jüngsten im Jahr 2018 fertiggestellten Entwürfe hat David Chipperfield einmal mehr eindrucksvoll bewiesen, dass er seinen kreativen Zenit noch lange nicht überschritten hat. Man darf gespannt sein, womit dieser Ausnahme-Architekt als nächstes überrascht.

Interior Designers of the Year – Snarkitecture

Kith Los Angeles, CA, 2018, Foto: Noah Kalina

Snarkitecture ist eine New Yorker Design- und Kunstkooperative, die im Jahr 2008 von Daniel Arsham und Alex Mustonen ins Leben gerufen wurde. Der Architekt Benjamin Porto kam 2014 an Bord. Von Beginn an sorgte das Kreativstudio mit seinen außergewöhnlichen Installationen und Kunstobjekten für Aufsehen. Ziel war und ist es bis heute, Räume, Gegenstände und Materialien aus ihrem ursprünglichen Kontext herauszuheben und neu zu interpretieren und zu arrangieren. Das Resultat sind originelle Raumwelten und Objekte voller Poesie und ikonischer Strahlkraft, die dazu einladen, mit allen Sinnen erlebt und erforscht zu werden. Alex Mustonen absolvierte die Irwin S. Chanin School of Architecture an der Cooper Union for the Advancement of Science and Art, wo er auch Daniel Arsham kennenlernte. Ben Porto studierte Architektur an der Columbia University. Bevor er Partner bei Snarkitecture wurde, arbeitete er für renommierte Architekturbüros in New York, Chicago und Portland. Zu den bekanntesten Projekten gehören vier Laden-Interieurs der Streetware-Kette Kith, die Filiale von COS Los Angeles und der Showroom von Valextra. Ebenfalls berühmt ist der »schiefe« Slip Chair als Kunstobjekt sowie verschiedene Installationen wie der »Altered Space« zur Salone del Mobile 2018 in Mailand, bei dem es um die Darstellung unterschiedlicher Aggregatzustände von Wasser in der Küche ging, und »The Beach«, eine spielerische »Tagam-Meer«-Interpretation mit riesigem Bälle-Pool im National Building Museum in Washington DC im Jahr 2015. Das Geheimnis ihres Erfolgs: eine kindliche Fantasie sowie eine unbekümmerte Lust am Absurden. Nicht ohne Grund ist der Name Snarkitecture eine Anspielung auf Lewis Carolls Gedicht »The Hunting of the Snark«.

Altered States, im Auftrag von Caesarstone, Mailand, Italien, 2018, Foto: David Zanardi

Jurybegründung

Die Arbeiten von Snarkitecture sind nicht nur besonders, sie sind anders, nicht selten sogar schräg – uns zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Man muss sich darauf einlassen, muss alles gelernte und sachlich richtige hinter sich lassen und das Fantastische, das scheinbar Unmögliche einfach akzeptieren. Denn genau darum geht es. Und genau das ist der Grund, warum die originellen Räume, Installationen und ungewöhnlichen Objekte so viel Spaß machen und in so hohem Maße emotional berühren.